Energiebilanz eines Hauses
Faktoren
Jedes Wohngebäude stellt einen Energiewandler dar: Energie wird in das Haus eingeführt, und ein Teil davon
verlässt das Haus ungenutzt. Die Idee des Energiesparhauses ist es, den Anteil der ungenutzten Energie möglichst
gering zu halten, und somit die benötigte Energiemenge zu senken. Im Folgenden werden Faktoren genannt, die die
Energiebilanz eines Hauses beeinflussen.
Standort
Außenklima
Zunächst spielt das Außenklima eine entscheidende Rolle. Zu nennen sind hierbei vor allem die Klimazone, der
Jahres- und Tagesgang der Temperaturen und die Anzahl der Heiztage im Jahr. Das sind jene Tage im Jahr, an denen
der Tagesdurchschnitt der Temperatur (auf lange Zeit gesehen) durchschnittlich kleiner als 12°C ist. Hierfür
wurde die sogenannte Heizgradtagzahl eingeführt. Es wird davon ausgegangen, im Gebäude seien 20°C Raumtemperatur.
An Heiztagen
wird täglich die Differenz zwischen der Innen- und der
Außentemperatur berechnet (in Kelvin).
Die einzelnen Werte in einem Jahr addiert ergeben die
Heizgradtagzahl. In Deutschland beträgt
sie durchschnittlich 3500 Kd/a (nach HIRSCH und LOHR
1996, S.203).
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die solare
Einstrahlung; sowohl die monatliche Einstrahlung
pro Jahr, als auch der Sonnenstandsverlauf. Hinzu kommt
die Einberechnung großräumiger und
lokaler Winde und deren Richtung, Luftfeuchtigkeit und
Niederschläge.
Lage und solare Raumplanung
Beim Bau eines Energiesparhauses, gleichgültig welcher
Art, wird die Energie der Sonne mit
eingeplant. Es ist daher sinnvoller, das Haus an einen
Südhang zu stellen, als in ein schattiges
Tal. Als Hilfe können Verschattungsdiagramme erstellt
werden, um zu sehen, zu welcher Jahres6
und Tageszeit andere Gebäude, Bäume, Berge etc. Schatten
auf das Grundstück werfen (nach
HIRSCH und LOHR 1996, S. 62f.).
Innenklima
Das gewünschte Innenklima bestimmen zu einem Großteil
die Bewohner selbst. Jedoch gibt es
allgemeine Regeln, was der Mensch als behaglich
empfindet, und was nicht. Das menschliche
Temperaturempfinden ändert sich je nach Aktivitätsgrad
und Bekleidung. Luftbewegung wird im
Allgemeinen eher als unangenehm empfunden: Je mehr „es
zieht“, desto wärmer muss es sein,
um eine gewisse Behaglichkeit zu erreichen (nach HISCH
und LOHR 1996, S. 29ff).
Gebäudegeometrie
Auf den Energieverbrauch eines Gebäudes hat die
Gebäudeform einen großen Einfluss. „Je
zergliederter ein Gebäude ist, d.h. je mehr Vor- und
Rücksprünge, Gauben und Erker es hat,
desto mehr Energie geht über die Außenfläche verloren.“
(SCHARPING 1997, S. 9). Hierfür
wird das sogenannte A/V-Verhältnis berechnet. Die
Oberfläche der Gebäudehülle A wird
dividiert durch das Gebäudevolumen V. Je kompakter ein
Gebäude, desto kleiner das A/VVerhältnis.
Je größer die Oberfläche, desto mehr Energie geht
verloren. (nach SCHARPING
1997, S. 9f)
Weitere Faktoren
Auf die wichtigsten Faktoren, die für die Energiebilanz
eines Hauses entscheidend sind, wie
Dämmung, Heizung, Lüftung, Fenster etc. wird im weiteren
Verlauf der Arbeit genauer
eingegangen.
Energiehaushalt in Gebäuden
Energieverbrauch in Deutschland
Der Energieverbrauch in privaten Haushalten in Deutschland gliederte sich 1998 wie folgt:
Tabelle 1 (nach KIENZLE, GÖRG und BLOCH 1998, S.2)
|
Raumwärme |
77 % |
|
Warmwasser |
12,5 % |
|
Kochen |
3 % |
|
Beleuchtung |
1,5 % |
|
sonstiger
Stromverbrauch |
6 % |
|
Tabelle 1 zeigt, dass mit Abstand die meiste Energie in
Haushalten zur Erzeugung der
Raumwärme benutzt wird. Daraus folgt, dass bei
Energiesparhäusern der Schwerpunkt der
Bemühungen, Energie zu sparen, auf diesen Bereich
verwendet wird.
Energieflüsse eines Gebäudes
Abbildung 1 (Quelle: HIRSCH und LOHR
1996, S. 42)

In Abbildung 1 werden die Energieflüsse eines Gebäudes
gezeigt. Die Endenergieträger Heizöl,
Gas oder Strom, welche vorher aus Primärenergie gewonnen
wurden, werden im Haus in
Nutzenergie umgewandelt. Das Öl oder Gas wird im
Heizkessel in Wärme umgewandelt, die
zum Heizen oder zum Erwärmen von Wasser genutzt wird.
Allerdings strahlen der Heizkessel
selbst oder die Warmwasserrohre Wärme ab, die nicht
genutzt wird. Elektrischer Strom wird
zum Betreiben von Geräten oder zum Erzeugen von Licht
verwendet. Hinzu kommt die
regenerative Energie der durch die Fenster scheinenden
Sonne, welche zur Erhöhung der
Raumtemperatur beiträgt.
Innere Gewinne
Des weiteren sind die inneren Wärmegewinne zu nennen.
Zum einen strahlt der menschliche
Körper (bei leichtem Aktivitätsgrad) ca. 2,4 kWh pro Tag
an Wärme ab. Entsprechend steigt die
Raumtemperatur, wenn sich viele Menschen darin
aufhalten. Zum anderen sind mit der
Stromnutzung auch immer gewisse Wärmegewinne verbunden.
Eine normale Glühbirne
beispielsweise erzeugt 90 % Wärme und nur 10 % Licht.
Allerdings entspricht diese Abwärme
nicht immer dem Heizbedarf (nach HIRSCH und LOHR 1996,
S. 42f).
Wärmeverluste
Die nach Abbildung 1 größten Energieverluste eines
Gebäudes bilden Wärmeabgabe durch
Außenbauteile (Transmissionswärmeverluste) und
Wärmeverluste durch Lüften
(Lüftungswärmeverluste).
Transmissionswärmeverluste
Durch die Außenbauteile Wand, Fenster, Dach und Keller
gelangt ein großer Teil der
Raumwärme ungewollt nach draußen. Dies geschieht
überwiegend durch Wärmeleitung.
„Bereiche in der Gebäudehülle, die eine schlechtere
Wärmedämmung haben als angrenzende
Bauteile“ (MEYER 2001, S. 55) werden Wärmebrücken
genannt. Das können beispielsweise
Rolladenkästen, Fugen oder Betonplatten sein. Sie
gleichen die Temperaturunterschiede von
innen und außen besonders gut aus und sollten so weit es
geht vermieden werden.
Zur Bestimmung der Wärmeverluste durch Außenbauteile
wurde der sogenannte k-Wert
eingeführt (in neuerer Literatur auch U-Wert genannt)
(nach MEYER 2001, S. 32). Diese
Wärmedurchgangszahl gibt an, welche Wärme in einer
Sekunde pro Grad Temperaturdifferenz
durch eine Wand von 1m² fließt und wird angegeben in
W/m² K. Bei einer Wand müssen die
Wärmeleitfähigkeiten der einzelnen Baustoffe (Mauerwerk,
Putz, Dämmstoff etc.)
zusammengerechnet werden. Entscheidend ist hierbei auch
die Dicke des Baustoffs. Eine nach
Wärmeschutzverordnung 1995 gebaute Wand beispielsweise
hat einen k-Wert von 0,50 W/m² K.
Sehr gut gedämmte Wände von Niedrigenergiehäusern können
k-Werte von bis zu 0,20 W/m² K
aufweisen. Alte, einfach verglaste Verbundfenster liegen
bei etwa 4 W/m² K, wohingegen neue
Wärmeschutzfenster mit dreifacher Verglasung sogar unter
1 W/m² K liegen können (nach
KIENZLE, GÖRG und BLOCH 1998, S. 3).
Lüftungswärmeverluste
Ein Mensch benötigt durchschnittlich 20-30 m³ Frischluft
pro Stunde. Außerdem müssen
Schadstoffe, Geruchsstoffe und Wasserdampf aus Gebäuden
entfernt werden. Dies geschieht
meist durch das Öffnen von Fenstern. Dadurch entweicht
allerdings Raumwärme (nach HIRSCH
und LOHR 1996, S. 44). Dazu kommen unerwünschte
Luftwechsel in Fugen oder Ritzen, die
von Wind und Temperaturdifferenz abhängig sind.
Wärmebilanz eines Gebäudes
Die Transmissionswärmeverluste für ein nach
Wärmeschutzverordnung 1984 gebautes Haus
betragen ca. 100 kWh pro m² Wohnfläche im Jahr. Hinzu
kommen Lüftungswärmeverluste von
ca. 40 kWh/m²/a. Zusammengerechnet sind dies ca. 140
kWh/m², die jedes Jahr ungenutzt
verloren gehen. Die Gewinne aus solarer Einstrahlung
durch die Fenster und aus Abwärme der
Stromnutzung betragen ca. 30 kWh/m²/a (nach HIRSCH und
LOHR 1996, S. 48).
Prinzipien eines Energiesparhauses
Aus den genannten Faktoren ergeben sich folgende
Prinzipien für Energiesparhäuser (nach
KIENZLE, GÖRG und BLOCH 1998, S. 5):
- kompakte Gebäudeform
- guter Wärmeschutz der Außenbauteile, Vermeidung von Wärmebrücken, Luftdichtheit
- passive Solarenergienutzung
- reaktionsschnelle Heizungsregelung
- umweltschonende Wärmeerzeugung
- bedarfsgesteuerte Wohnungslüftung
- Stromsparende Haushaltsgeräte